Nach vielen Jahrzehnten steht der Lehrbienenstand des Imkervereins vor einem bedeutenden Wendepunkt. Der langjährige Pachtvertrag endet und damit auch die Ära des bisherigen Vereinsheims. Diese Veränderung bedeutet nicht nur Abschied, sondern zugleich Chance.
Der Lehrbienenstand wird seit knapp 50 Jahren vom Coesfelder Imkerverein e.V. betrieben. Er ist Treffpunkt, Schulungsraum und Ort für Austausch. Gleichzeitig ist das Gebäude inzwischen in einem baulichen Zustand, der eine umfassende Sanierung erforderlich macht.
Am Dienstag, 24.02.2026 trafen sich die Vorsitzenden des Vereins, Rudolf Averkamp (1. Vorsitzender) und Marc Seesing (2. Vorsitzender) mit dem Verpächter Heiko Steinkamp dem Inhaber des Gartenbau- und Gartenpflegebetriebs Steinkamp. In konstruktiver Atmosphäre wurde die Auflösung des seit vielen Jahren bestehenden Pachtvertrages vereinbart.
Der Verpächter möchte die Fläche künftig selbst nutzen. Zudem wurden in den vergangenen Monaten vermehrt Beobachtungen gemacht, die Anlass zur Sorge geben. In den Abendstunden hielten sich wiederholt Personen auf dem Gelände auf, wobei es auch zu Beschädigungen an Pflanzenbeständen gekommen ist. Zudem wurden vereinzelt Hinterlassenschaften aufgefunden, die deutlich machen, dass die Freifläche vom Lehrbienenstand außerhalb der Betriebszeiten zweckentfremdet genutzt wird. Vor diesem Hintergrund ist nachvollziehbar, dass der Grundstückseigentümer seine Flächen künftig stärker schützen und anderweitig sichern möchte. Diese Entwicklung war ein weiterer Baustein in der Entscheidung, den langjährigen Pachtvertrag zu beenden.
Heiko Steinkamp betont, dass ihm die Entscheidung selbst nicht leichtgefallen ist und der Gedanke seit weit über 2 Jahren immer wieder Thema auch innerhalb der Inhaberfamilie war. Einfacher wurde die Entscheidung nicht vor dem Hintergrund, dass der Lehrbienenstand damals von seinem Großvater Heinrich Steinkamp initiiert und aufgebaut wurde, der selbst Imker im Verein war.
Der Lehrbienenstand war über viele Jahre hinweg ein fester Bestandteil der Vereinsarbeit. Gleichzeitig stand das Gebäude seit geraumer Zeit im Fokus intensiver Prüfungen: Die Frontfassade ist stark sanierungsbedürftig, Teile des Fundaments sind über die Jahre abgesackt, sodass das Gebäude nun schräg ist. Mehrere Bodenbalken haben Kontakt zu Erdfeuchte und weisen entsprechende Schäden auf.
Seit über einem Jahr laufen Planungen und Vorbereitungen für eine mögliche Sanierung. In Eigenleistung haben freiwillige Helferinnen und Helfer des Imkervereins bereits das Inventar ausgelagert und den Boden zurückgebaut. Ein umfassendes Gutachten befand sich aktuell noch in Planung. Ob eine grundlegende Sanierung wirtschaftlich tragfähig ist oder das Gebäude als abrissreif einzustufen wäre, ist bislang offen. Finanziell wäre die Sanierung zwingend auf Spenden angewiesen. Auch vor diesem Hintergrund kommt die Vertragsauflösung zu einem passenden Zeitpunkt.
Der Verein trägt die Entscheidung mit Fassung und mit Blick nach vorn. „Es ist schade, dass der über Jahrzehnte etablierte Lehrbienenstand nun Geschichte ist aber der Verein lebt vom Miteinander und nicht von einem Gebäude“, so der Vorstand.
Die regelmäßigen Treffen werden künftig an wechselnden Orten stattfinden. Die traditionelle jährliche Standbesichtigung und Radtour sind unproblematisch ortsunabhängig. Standbesichtigungen für Bieneninteressierte verlagern sich auf die privaten Bienenstände der Mitglieder. Die Schulung für Neuimkerinnen und Neuimker startet ab 19.04.2026 10:00 Uhr in privaten Räumlichkeiten und am Bienenstand von Rudolf Averkamp. Infos auf der Homepage. Für größere Versammlungen hat der zweite Vorsitzende und Bio-Berufsimker Marc Seesing bereits für 2026 die Nutzung der Räumlichkeiten in der Bischofsmühle angeboten.
Wer dem Verein eine geeignete Lokalität für Treffen oder Veranstaltungen zur Verfügung stellen möchte, ist herzlich eingeladen, sich bei Rudolf Averkamp zu melden.
Der Imkerverein Coesfeld sieht in der Neuausrichtung auch Chancen:
Durch den Wegfall der Sanierungs- und laufenden Unterhaltskosten werden finanzielle Mittel frei, die dem Verein neue Spielraum für Projekte, Anschaffungen und Nachwuchsarbeit geben.
Mehr Flexibilität, ein weiterhin lebendiges und abwechslungsreiches Miteinander und vielleicht mehr Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit, wenn der Imkerverein zukünftig außerhalb eines festen Treffpunkts präsent wird.
Bienen brauchen Behausungen. Ein Verein vor allem Zusammenhalt.
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